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Person möchte nicht benannt werden An­o­nym
Mir gehts heute nicht so gut.
Liegt vielleicht an der Depression oder auch am Wetter. 
Keine Ahnung....... Mir ist heute danach meine Geschichte mit euch zu teilen.
Kann lang werden.......

Fing früh schon ziemlich beschissen an. Ich hatte als Kleinkind schlimme Neurodermitis. So dass ich ständig mit stinkenden Verbänden herumgelaufen bin. Die jeden Tag zu wechseln war höllisch. Vergleichbar mit den Videos, die man über Schmetterlingskinder sehen kann. War öfter in einer Klinik für Verbrennungen..... 
Man kannte Neurodermitis nicht in den 70ern, so dass die Kinder im Kindergarten nicht mit mir spielen durften, weil
die Eltern glaubten, dass das was ansteckendes sei. Also war ich schon früh ein Mobbingopfer und bin ziemlich isoliert aufgewachsen. Ohne soziale Kontakte...
Meine Eltern waren selber Alkoholike und daher ziemlich unberechenbar. Meine Mutter ist regelmäßig ausgerastet und hat auf mich eingeprügelt. Manchmal krankenhausreif. Mein Vater vergriff sich an mir. Er benutzte mich für seine sexuellen Triebe. Später in der Schule, war ich immer noch isoliert und ständig den Attacken meiner Mitschüler ausgeliefert.
Durch die Misshandlungen meiner Eltern, war ich das geborene Opfer. Und das haben meine Mitschüler gerochen....entsprechend fielen sie über mich her. Das hat sich bis zu meinem Abitur so durch gezogen....

Mit dem Alkohol kam ich schon früh in Kontakt. Da meine Eltern selber tranken, war immer was im Haus. Meine Tante war schlimme Alkoholikerin. Immer wenn Sie auf uns aufpasst hat, sah ich, dass Sie sich an der Bar bediente und die Flaschen immer mit Wasser auf  den alten Stand aufgefüllt hat. Das war für mich sehr interessant.
Also fing ich ich bereits mit 6 Jahren an, daran zu nippen und fataler weise Gefallen an der Wirkung zu finden.

Auf Familienfeiern war es Gang und Gäbe uns Kindern (ich hatte einen jüngeren Bruder der mittlererweile tot ist)
ebenfalls kleine Mengen an Alkohol zu geben. Ich weiss, dass ich als Baby immer voll auf den Schaum in den Bierflaschen abgefahren bin. Es gibt sogar noch Fotos davon...

Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich zwölf war. Ich musste gegen meinen Willen bei meinem Vater bleiben.
Ich wäre sogern in ein Heim gegangen, aber das Jugenamt war der Meinung, dass es mir bei ihm doch gut gehen würde.
Also ging der Missbrauch weiter. Ich lag bei ihm im Ehebett. War mit 12 Jahren Mutter, Ehefrau und Hausfrau. Da ich keine Freunde hatte, war ich immer nur zu Hause.Ich versorgte meine Familie und machte in der Nacht meine Hausaufgaben. Ich war in der Schule ein richtiger Streber, weil das die einzige wohltuende Bestätigung war, die ich bekommen konnte.
Die Bücherei war mein Zuhause. Ich habe mir bereits mit 3 Jahren das Lesen selbst beigebracht und mit 4 war ich mit einer Sondergenehmigung der Stadt bereits  in der Kinderbücherei angemeldet. Das war meine Insel. Mein Heiligtum in dem niemand waas von mir wollte und ich mich in eine andere Welt flüchten konnte.

Mit 18 hatte ich den Führerschein und eine alte Rostlaube. Als eines Tages mein Vater wiedermal betrunken von der Arbeit kam und mich schlug, schlug ich zurück, und sagte  zu ihm "du hast mich heute zum letzten Mal geschlagen". Icvh nahm die Autoschlüssel und riss aus.
Lebte 2 Jahre auf der Strasse, schlief im Auto oder bei Bekannten, die ich zwischenzeitlich kennengelernt hatte. Zum Duschen ging ich immer ins Hallenbad.

Seltsamerweise habe ich auf der Strasse Leute kennengelernt, die mich mochten. Die sich sogar gefreut haben wenn sie mich sahen.
Da ich aber zuvor kaum soziale Kontakte hatte, und überaus verschüchtert und verklemmt war, brauchte ich den Alkohol um mich zu lockern, um mit den Leuten reden zu können. Dennoch möchte ich die Zeit heute nicht mehr missen. Ich lernte, dass ich gemocht werden konnte. Ich lernte, dass man mich akzeptierte so wie ich war. Das war neu für mich.

Ich machte in dieser Zeit nebenher meine Lehre zur Schreinerin. Danach ging ich zur Fachoberschule für Gestaltung und machte mein Fachabitur, da ich Objektdesign studieren wollte.
Auch da wurde ich gemobbt weil ich nüchtern nach wie vor nicht in der Lage war mit Gleichaltrigen adequat zu interagieren. 

Irgendwann kamen die Drogen ins Spiel. Haschisch, LSD und Kokain waren meine Lieblinge neben dem Alkohol.
Naja, wie dem auch sei. Nach 10 Jahren, mittlerweile war ich 28 und Mutter, wurde mir klar, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Ich hatte ein einschneidendes Schlüsselerlebnis. Also gab ich meine Tochter für eine Woche zur Oma, stöpselte mein Telefon aus, und machte einen kalten Alk und Drogenentzug alleine zu Hause.
Damals wusste ich nicht, dass das Lebensgefährlich ist. Würde ich heute nie wieder so machen, aber wie gesagt, damals dachte ich das sei normal so....

Ich verlies meinen alten Freundeskreis und machte mein Vollabi im zweiten Bildungsweg.
Danach machte ich eine Umschulung zur Mediengestalterin weil ich  gerne kreativ sein wollte, und mir kein Studium leisten konnte.
Zwischenzeitlich hatte ich einen neuen Partner, der der als Leiharbeiter einen festen Job im Schwabenland angeboten bekam. Und als meine Umschulung zuende war, zogen wir die 500 km hierher um uns was Neues aufzubauen.

Ich arbeitete in 2 Jobs. 10 - 12 am Tag. Machte danach meine Hausarbeit, kochte, überprüfte die Hausaufgaben der  Tochter-
 und war nebenher noch Ehefrau. An den Wochenenden musste ich Arbeit aus der Druckerei mit nach Hause nehmen, weil dies die Auflage war, unter der ich den 2. Job machen durfte. Also hatte ich überhaupt keine Minute Freizeit.

Irgendwann schlich sich der Alkohol wieder in mein Leben. Ich konnte nicht mehr schlafen, war niedergeschlagen und suizidal. Hatte ein Burnout, ohne das zu wissen. Ich trank um runterzu kommen irgendwann wieder jeden Abend. Das  breche ich nahm seinen Lauf...

Nach einem missglückten Selbstmordversuch kam ich in eine Klapse. Hatte das erste Mal in meinem Leben Kontakt mit der Psychiatrie ....dies sollte nicht mein letzter sein. Bis heute breche ich in fast regelmäßigen Abständen zusammen und muss wiedermal in eine Klinik.

Ich brach komplett zusammen. Meine ganze Persönlichkeit zersplitterte. Ich wurde retraumasiert in der Klinik und niemand merkte was vor sich ging....alles wurde noch viel schlimmer.
Icvh war über ein halbes Jahr in dieser ersten Klinik. Irgendwann fing ich an mit Mitpatienten jeden abend in eine bestimmte Kneipe zu gehen und lies mich richtig volllaufen. Lies jeden Abend bestimmt 50-70 Euro für Bier dort.
Nach dem Klinikaufenthalt  wollte mein Mann nix mehr mit mir zu tun haben. Ich funktionierte nicht mehr. Ich wollte keinen Sex mehr mit ihm und er lies mich fallen.
Nicht wegen dem Alk, sondern weil er merkte, dass etwas mit mir nicht mehr stimmt...

Also reichte ich die Scheidung ein.

Jetzt kürze ich ab...es kamen noch endlose Jahre in diversen Psychotherapien...ich lernte so einiges, kam aber nie wieder so richtig auf die Beine. Die Jahreszeiten wechselten, ohne dass ich es wirklich bemerkte. Ich sah nur immer wieder, dass die Bäume anderes Laub trugen....
Lebe seit 2007 im betreuten Wohnen und krebse so vor mich hin.
Zur Zeit, bin ich wieder sehr depressiv und denke dass es keine Hoffnung für mich gibt, mich jemals wieder als vollwertigen Mensch und als Mitglied dieser Gesellschaft zu fühlen.
In Zeiten wo es mir besser geht, versuche ich meinen Alltag irgendwie so hinzubekommen, dass ich einigermassen zufrieden mit mir sein kann. Aber mehr werde ich wohl nicht mehr erreicen können. Ich hatte so tolle Hoffnungen und Träume damals als ich aufhörte mit den Drogen und hierher zog.um mir/uns ein neues Leben auf zu bauen. Alles ist kaputt gegangen. Mein Leben liegt in Scherben. Manchmal schaffe ich es diese Scherben zu etwas neuem zusammenzufügen, aber nur so lange, bis ich wieder zusammenbreche  und von neuem anfangen muss.
Sisyphus lässt grüßen....

Ist sehr lang geworden, ich weiss. Aber ijch glaube das musste heute raus....
Ich danke euch fürs lesen.




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